Einführung
Das Go-Spiel wurde der Überlieferung nach von dem japanische Minister Kibi no Makibi nach Japan gebracht. Im Alter von 22 Jahren wurde Kibi in die chinesische Hauptstadt Chang An, dem politischen und kulturellen Zentrum der damaligen Welt, entsandt. Von 717- 735 studierte er dort wie viele andere junge Männer seines Standes am Hof des Tang-Kaisers Xuanzong die Wissenschaften und verschiedene Künste.
Eines Tages wollte der chinesische Kaiser die geistigen Fähigkeiten seines Gastes testen und lud Kibi auf eine Partie Go ein. Kibi kannte die Regeln des Spiels bis dahin nicht, sagte aber zu, um nicht zugeben zu müssen, das Spiel nicht zu kennen. Nach einer schlaflosen Nacht fragte er seinen Freund Abe no Nakamaro um Rat. Mit dessen nterstützung und einigen Tricks gelang es Kibi, den Kaiser im Go-Spiel zu besiegen. Damit ihr nicht in die gleiche Verlegenheit kommt wie Kibi, wollen wir euch in einer kleinen Reihe erklären, wie Go gespielt wird.
Spielidee
Ziel des Spieles ist es, möglichst viele und große Flächen des
Spielfelds mit den eigenen Spielsteinen einzukreisen und zu
umschließen. Diese Flächen nennt man Gebiete. Wer am Ende der Partie
das größte Gebiet aufweisen kann, hat gewonnen. In den folgenden zwei
Abbildungen wird gezeigt, wie man Gebiet auf einem 9x9- Brett
umschließt. Obwohl ein Spiel auf diesem kleinen Brett nicht so komplex
und unübersichtlich ist, sind die Regeln jedoch exakt die gleichen. Das
9x9-Brett eignet sich daher am besten für den Einstieg in das Go,
weshalb auch wir mit diesem Brett beginnen wollen. Falls Ihr schon ein
19x19- Brett habt, dann könnt Ihr die überzähligen Linien und
Schnittpunkte einfach mit zwei Blatt Papier abdecken.Spielbeginn
Go wird von zwei Spielern gespielt. Der eine nimmt die schwarzen, der andere die weißen Spielsteine. Zu Beginn ist das Brett leer. Im Go beginnt immer der Spieler mit den schwarzen Steinen indem er einen Stein auf einen freien Schnittpunkt des Brettes legt. Er darf seinen Stein auf jeden noch unbesetzten Schnittpunkt spielen, aber es ist am Anfang üblich, in die Nähe der hoshi-Punkte zu spielen. Wenn ein Stein einmal gesetzt ist, wird er nicht mehr bewegt - es sei denn er wird geschlagen und vom Brett genommen.
Brett und Steine In der chinesischen Mythologie existierte die Vorstellung, die Erde sei quadratisch und der Himmel ein Kreis. Das Go-Brett besteht daher aus einer quadratischen Fläche und symbolisiert die Erde. So wie wir auf der Erde gehen und stehen, liegen die Spielsteine auf dem Brett. Der Himmel wird als symbolischer Kreis in das Spielfeld integriert, indem für jeden Grad eines Kreises ein Schnittpunkt abgebildet wird. Das 19x19-Spielfeld umfasst daher 360 Punkte, die den gesamten Himmelsraum repräsentieren, plus einen weiteren Punkt in der Mitte des Bretts. Dieser zusätzliche Punkt in der Mitte liegt im Zentrum der Erde und des kreisförmigen Himmels. Er wird folglich als "die Mitte des Himmels" bezeichnet.
Die Abbildung links zeigt ein leeres Go- Brett.
Beachtet die markierten Punkte. Man nennt sie "hoshi", Sterne. Spieltechnisch haben sie keine Funktion, sie dienen nur als Referenzpunkte für das Setzen von Spielsteinen. Die schwarzen und weißen Spielsteine bezeichnet man einfach nur als "Steine".
Grundregeln
1. Steine werden auf die Schnittpunkte gesetzt.
2. Steine werden nicht bewegt, wenn sie einmal gesetzt wurden.
3. Schwarz beginnt.
4. Schwarz und Weiß setzen abwechselnd.

Abbildung links
zeigt eine typische Eröffnung. Schwarz macht den ersten Zug auf 1 in der rechten oberen Ecke, danach setzt Weiß seinen ersten Stein auf 2 in der oberen linken Ecke. Anschließend setzen die Spieler abwechselnd weiter ihre Steine auf das Brett. Man beachtet, dass die Spieler ihre ersten Züge in den Ecken platzieren.
In der Zeichnung linkssetzt Schwarz den ersten Zug auf 1 in der rechten oberen Ecke, Weiß setzt danach auf 2 in der linken oberen Ecke. Anschließend setzen die Spieler abwechselnd ihre Steine auf das Brett. Mit den Zügen bis Weiß 4 werden die ersten Ansprüche abgesteckt. Schwarz beansprucht die rechte Seite des Brettes, Weiß die linke. Wenn sich die ersten Gebietsformen abzeichnen gibt es zwei mögliche Strategien. Die eine ist, das eigene Gebiet so weit wie möglich auszudehnen und gleichzeitig das gegnerische Gebiet reduzieren. Die andere besteht darin, das gegnerische Gebiet zu invadieren.

Hier in der Abbildung die weiteren Züge
Schwarz entscheidet sich für die erste Strategie. Schwarz dehnt mit 5 bis 9 sein Gebiet aus und Weiß muss mit 6 bis 10 verteidigen. Schwarz muss nun mit 11 ebenfalls seine Grenze festigen. Jetzt ist Weiß am Zug und bedrängt Schwarz mit 12 bis 16. Schwarz blockt entsprechend. Die Züge 21 bis 24 sind eine Standardabfolge. Mit diesen Zügen verkleinert Schwarz das weiße Gebiet und dehnt das eigene aus. Nach dem Setzen des 26. Steins ist das Spielfeld deutlich in ein weißes und ein schwarzes Gebiet aufgeteilt. Hiermit endet die Partie.
AbrechnungDas Auszählen ist ganz einfach: Das schwarze Gebiet besteht aus allen unbesetzten Schnittpunkten auf der rechten Seite, das weiße Gebiet umfasst alle freien Punkte auf der linken Seite. Um dies deutlich zu machen, haben wir in Abbildung 5 alle Punkte entsprechend mit "s" oder "w" markiert. Schwarz hat in diesem Beispiel 28 Punkte umschlossen, Weiß nur 27. Schwarz gewinnt folglich mit einem Punkt. Dies war eine sehr einfache Partie und einige Aspekte der Go-Regeln wurden noch nicht berücksichtigt, aber sie zeigte sehr schön, worum es im Go-Spiel geht. In der nächsten Folge werden wir erklären, wie Steine gefangen werden.

Bericht und Fotos
Gunnar Dickfeld, 3. Dan Go (rechts im Bild)"Go für Einsteiger. Spielen Denken Lernen"
inkl. Go-Set und Steine ISBN 3897174294, 128 Seiten, G. Dickfeld, Fleurus Verlag

Mehr Berichte und Infos über Karate, Kampfkunst und Kultur in der toshiya Zeitung
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