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toshiya 01/06 - Interview Claudia Loepp mit Familie



In erster Linie bin ich Hausfrau und Mutter, Ratgeberin in allen Lebenslagen für meine Kinder, Grundschul und Gymnasiallehrerin, manchmal auch Kindergärtnerin. Außerdem gebe ich viel Nachhilfe für Kinder die in Mathe, Englisch, Französisch und Deutsch Probleme haben.

Dann bin ich noch häufig ehrenamtlich unterwegs: Schulbibliothek, Hausaufgabenbetreuung in der Schule, gelegentlich Übersetzungen und Korrekturlesen für Freunde und Unterstützung jeglicher Art für den Verein “Kinder aus Tschernobyl.” Meine Lieblingsnebentätigkeit ist allerdings die Leitung des Karate Dojos Schmitten, die ich vor ca. 2 ½ Jahren übernommen habe, mit allem was dazugehört. Ach ja, und dann ist da noch mein Border - Collie Miró, der mir täglich auch mindestens 1 ½ Stunden Beschäftigung abverlangt. Also, ich glaub’, für einen richtigen Beruf zum Geld verdienen hätte ich gar keine Zeit.

Sport in irgendeiner Form habe ich eigentlich immer betrieben: Geräteturnen auf Schulmeisterschaftsebene, Tennis und später Turniertanz in Standard - und lateinamerikanischen Tänzen. Das alles hat mir viel Spaß gemacht, und vor allem dem Tanzen weine ich heute gelegentlich noch so manche Träne nach.


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Claudia Loepp. Geboren bin ich am 28.12.1966 in Herford. In Heidelberg habe ich dann Anglistik und Slavistik studiert und bin nach einem kurzen Abstecher über Bochum schließlich in Oberreifenberg im Taunus gestrandet. Verheiratet bin ich seit 1992 und stolze Mama von drei Kindern: Marcel, 13, Alessa, 10 und Milena, 5. Karate zwischen 1988-1990, wieder seit 2004 Verein Karate Dojo Schmitten 2005 e.V. Stil Shotokan Karate, 4. Kyu


Mein Erstkontakt mit Karate im Jahr 1983 war eher unerfreulicher Natur: da habe ich meinen damaligen Freund davon abgebracht weiterhin zum Training zu gehen, er hat es mir zuliebe auch tatsächlich getan - unglaublich. Sieben Jahre später - besagter Freund und ich waren inzwischen zusammengezogen und wohnten in Heidelberg - habe ich dann beschlossen, es ihm zuliebe doch einmal mit dieser ungewöhnlichen Sportart zu versuchen. Gesagt, getan, Fingernägel stark eingekürzt und ab zum neuen Training der Uni. Das war einfach nur gut, ich war sofort infiziert und habe in fast jeder freien Minute trainiert. Da war ich 24. Das einzig unerfreuliche war - das sehe ich jetzt eigentlich immer mehr - der ständig brüllende Trainer. Egal, hat mich nicht weiter gestört, ich bin dabeigeblieben, mein Freund auch, das war eine schöne aktive Zeit.

Dann haben wir geheiratet - und das erste Kind kam. Da war erst mal Schluss, das war am Anfang ganz schwer für mich, ich bin auch ab und zu zum Training gefahren - nur zum Zuschauen. Studieren, Kind und Karate - das war leider zeitlich nicht drin. Es kamen noch zwei weitere Kinder, Umzug nach Bochum und Schmitten - irgendwie standen die Sterne ungünstig fürs Karate bei mir und meinem Mann. Diese Pause dauerte ziemlich lange - 12 Jahre. Inzwischen waren meine beiden Großen schon schwer aktiv im Karate Dojo, und bei mir wurde der Wunsch, auch wieder anzufangen, immer größer. 2004 wurde in unserem Verein ein neuer Vorstand gesucht, denn die Vereinsleiterin war leider gestorben und ihr Sohn wollte nach Amerika aussiedeln. Keiner wollte es machen, obwohl es hieß "ist nicht viel Arbeit", na ja, und dann habe ich halt mal den Finger gehoben. Fünf Minuten später war ich dann Leiterin eines Karate Dojos, da habe ich gedacht: "Solltest schon wissen, was du da eigentlich tust" und bin kurz entschlossen wieder ins Training eingestiegen.

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Kannst Du dich an Dein erstes Training erinnern?
Entsprach das Training Deinen Vorstellungen von Karate?

An meinen ersten Trainingsabend in Heidelberg kann ich mich noch ganz genau erinnern. Ich kann die Halle förmlich riechen und spüre auch noch meine Spannung so als wär´s gestern. ‚Wir standen mit ungefähr 40 Anfängern in der Halle und wussten nach ein paar Minuten nicht mehr wo rechts, links, oben oder unten war. Natürlich entsprach das
Training nicht meinen persönlichen Vorstellungen von Karate, ganz im Gegenteil: es war viel besser, sonst wäre ich wohl nicht dabei geblieben. An meinen ersten Trainingsabend nach 12 Jahren Pause kann ich mich auch noch sehr gut erinnern, ich war nicht minder aufgeregt, aber wenigstens wusste ich noch um die Himmelsrichtungen und war nicht ganz so desorientiert. Ich bin damals aus Mangel an Anfängern mit in die Oberstufe gekommen (als Gelbgurt), aber sie haben mich alle super freundlich und ohne Stöhnen aufgenommen (hierfür ganz lieben Dank an dieser Stelle an meine Gruppe und meine Trainer), und der Trainer hatte einen ganz anderen Ton als ich von früher gewohnt war, da war auch das Einzige, was ich nicht erwartet hatte. Der Rest war fast, als ob die Jahre dazwischen nicht gewesen wären, das Gefühl, der leicht rituelle Ablauf, das Auspowern.

Seitdem trainiere ich ohne größere unerbrechung und arbeite ständig an meinen Fertigkeiten. Zurzeit trainiere ich mindestens 2 x mal die Woche 1 - 1,5 Stunden. Wenn es meine Zeit zulässt versuche ich, einmal in der Woche morgens noch mal eine Stunde in unseren Spiegelsaal zu gehen. Sehr gerne besuche ich auch in einem benachbarten Dojo die sonntägliche Ü 35 Einheit, leider passiert das in letzter Zeit aus familiären Gründen eher selten.

Ganz wichtig sind mir Lehrgänge, da versuche ich ungefähr alle 6 Wochen einen mitzumachen, manchmal auch häufiger. Jetzt, wo die Kinder größer sind, nehmen wir sie oft mit, wenn sie Lust haben natürlich. Mein Mann kann zwar aus beruflichen Gründen nicht allzu oft mitkommen, aber er trainiert mit, wenn es seine Zeit zulässt, und so haben wir familiär mindestens drei Tage in der Woche mit Training belegt, denn unsre Kleinste, inzwischen fünf, durfte vor ein paar Wochen auch anfangen.

Das ist das Schöne für mich: wir erleben diesen Sport gemeinsam, und wenn wir auch wenig Zeit zusammen verbringen können, so ist Karate inzwischen eine wichtige Grundlage für unser Familienleben geworden. Wir besuchen oft gemeinsam Lehrgänge, haben natürlich auch eine zusätzliche gemeinsame Gesprächsgrundlage. Karate bestimmt nicht unser ganzes gemeinsames Leben, aber es ist ein absolut wertvolle Bereicherung.


Was gefällt Dir am Karate Training?
Am Karate Training gefällt mir besonders die Vielfältigkeit, die es bietet. Ich muss mich körperlich aber auch geistig anstrengen, koordinieren, was meine verschiedenen Körperteile machen, reagieren, es ist irgendwie immer wieder neu und herausfordernd. Wichtig ist für mich auch der Stellenwert, den Disziplin in dieser Sportart hat, die geregelten Abläufe. Neu, immer wieder anders und doch vertraut - eine klasse Kombination.


Wer oder was fasziniert Dich in der Karate Welt?

Ich bin kein Mensch, der Personenkult betreiben mag, aber es gibt viele Menschen aus der Karate Welt, die ich bis  jetzt kennen lernen durfte, und die ich aus den verschiedensten Gründen faszinierend finde: ob der Art, wie sie Wissen vermitteln können, mit Menschen umgehen, oder ihren eigenen Weg gegangen sind und noch weitergehen. Das kann zum Beispiel ein hochrangiger Dan Träger sein oder ein Wettkampfkarateka, die Trainer aus unserem
Dojo, die trotz ihres jungen Alters viel Arbeit investieren und immer am Ball geblieben sind, aber auch Anfänger aus
unserem Dojo, die sich ihren Weg erst spät erkämpfen und mit Spaß und Liebe bei der Sache bleiben. Aus allen diesen Bereichen habe ich in meiner kurzen Zeit als Karateka ganz liebe und für mich wertvolle Menschen kennen gelernt und dafür bin ich sehr dankbar.


Gibt es ein Ziel beim Karate, was möchtest Du erreichen?
Ein direktes Ziel vor Augen habe ich nicht, ....allerdings: wer träumt nicht heimlich vom 1. Dan, wenn er gerade den 4. Kyu gemacht hat, da müsste ich mich ja selbst belügen. Wichtig ist mir aber in erster Linie, dass ich Karate so lange betreiben kann, wie es meine körperlichen Gegebenheiten zulassen. Dass ich noch ganz lange dabei sein werde, in welcher Form auch immer, da bin ich ganz sicher. In den Sternen steht halt immer nur, wie lange es der Körper zulässt, denn zur Zeit ist eine Band OP am Sprunggelenk vom letzen Juni mein Handicap, da sich noch eine
Sehne entzündet hat, und irgendwie will der Fuß nicht so wie ich will. Aber: ich möchte noch ganz, ganz lange ganz viel lernen und bin bereit dazu.

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Wie bereitest Du dich auf die nächste Prüfung vor?

Da ich eine Sicherheitsfanatikerin bin, lerne ich zuerst immer meine Prüfungsordnung für den Bereich Kihon auswendig. Da hängen dann immer ein bis zwei Zettel im Wohnzimmer, je nachdem wer sich bei uns gerade auf welche Prüfung vorbereitet. Da kann man dann immer mal nebenbei ein paar Bahnen im Wohnzimmer laufen da schleift sich der Ablauf ganz schnell ein. Na ja, für´s Kumite muss halt immer mal ein Familienmitglied den Kopf herhalten, Wohnzimmer im Winter und Garten im Sommer.

Die letzte Prüfung, die zum 4. Kyu fand ich dann besonders spannend, da mein Mann und ich uns zum ersten Mal gemeinsam darauf vorbereitet haben. Für mich war es im Vorfeld schwierig, den Kopf und das Emotionale auszuschalten, vor allem im Kumite, da sind wir dann gelegentlich (meist verbal meinerseits) aufeinander geprallt, in der Prüfung hat das dann aber wohl gut geklappt. Karate ist für mich in den letzten drei Jahren ziemlich lebensbestimmend geworden. Ich habe neulich noch gesagt:  "Ich weiß gar nicht mehr, was ich in meinem Leben vor Karate so getrieben habe". Ich hatte halt mehr Zeit für mein Lieblinshobby Lesen, das ist allerdings nicht so bewegungsfördernd.

Die Bandbreite meiner Favoriten reicht von Shakespeare über englische Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts zu zeitgenössischer englischer Literatur und russischen Klassiker wie Dostojevskij, Gogol, etc. , nicht zu vergessen Schriftstellern der Sowjetzeit bis zu Krimis jeglicher Art, die liebe ich über alles. Meine Kinder finden das auch ganz (ent)spannend, da ein wesentlicher Teil der Zeit, den ich vorher in Erziehungsarbeit investiert habe, fürs Karate und die Vereinsarbeit, die zum Teil recht umfangreich ist, draufgeht. Sprich: Lehrgänge organisieren, kleine vereinsinterne und hoffentlich demnächst auch wieder einen größeren, Fahrten zu Lehrgängen und kleinen Turnieren mit den Kindern unseres Vereins, Prüfungen, Weihnachtsfeiern, Verbandskram, und vieles mehr. Derjenige, von dem ich das übernommen habe, meinte damals: ist nicht viel Arbeit, danke nochmals hier an dieser Stelle......aber es macht mir trotzdem riesigen Spaß.


...außer Karate?
Viel Zeit für andere Dinge (siehe ganz oben) bleibt nicht, ich liebe meine Tiere - wir haben noch drei Katzen - und der Hund sorgt auch für viel Beschäftigung, denn als Border - Collie braucht man
natürlich nicht nur lange Spaziergänge, nein, es muss auch noch viel Beschäftigung für das Köpfchen dabei sein. Noch ein paar Kunststückchen mehr, und wir treten im Zirkus auf.

Wir sind vor einigen Jahren hier ins hessische Mittelgebirge, in den Hochtaunus, in eine sehr kleine "Großgemeinde" gezogen. Ungefähr 200 Meter von uns entfernt seht ein kleiner Skilift. Ganz viel Wald vor der Haustür...sehr idyllisch, sozusagen der Kurzurlaubstrip für die Frankfurter, an Bewegungsmöglichkeiten mangelt es hier also nicht, und wir nutzen diese auch und sind viel draußen.

Einmal im Jahr stürzen wir uns ins große Schneetreiben und fahren nach Österreich zum Skifahren. Ist nicht so ganz mein Ding, da ich immer mit ganz viel Angst fahre, aber da gehe ich einfach zwei, drei Tage in die Skischule, und dann geht´s  meistens (oben geblieben bin ich noch nie). Den Kindern fällt das einfacher, die denken nicht so viel nach, die fahren einfach das beneide ich schon oft, vor allem, wenn sie mich ständig überrunden.


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