"Schach verhält sich zum Go wie doppelte Buchführung
zur Philosophie." Trevanian, 1979.
Das Spiel Go ist ein Brettspiel für zwei Spieler. Schwarze und weiße Steine werden abwechselnd auf einem Holzbrett mit einem Gitternetzmuster platziert.
Go kommt ursprünglich aus China und heißt dort Weí qí - Spiel des Umschließens und Umzingelns. Ziel ist es, möglichst viele und große Flächen des Spielfelds mit den eigenen Spielsteinen einzukreisen und zu umschließen. Sieger ist, wer am Ende der Partie die größere Fläche eingeschlossen hat.

Man kann sich das wie die Aufteilung eines Stücks Land unter zwei Bauern vorstellen: Zuerst werden entlang der geplanten Grundstücksgrenze die Zaunpfähle gesetzt und danach wird der Zaun von Pfahl zu Pfahl gezogen. Wer sich auf diese Weise das größere Stück Land gesichert hat, geht als Sieger hervor. Im Go-Spiel geht es nicht darum, den Gegner zu vernichten oder die gesamte Spielfläche zu beherrschen. Ganz im Gegenteil: Go verlangt einen maßvollen Kampfeswillen. Egoistisches Besitzstreben steht dem Erfolg beim Spiel entgegen.
Go ist schätzungsweise 4000 Jahre alt. Viele Bezeichnungen deuten daraufhin, dass Go mit seinen schwarzen und weißen Steinen zunächst als ein Kalender und Instrument zum Voraussagen der Zukunft entwickelt wurde. Später wurden die Spielsteine dazu verwendet, die Aufstellungen von Armeen nachzustellen und daraus Taktiken und Strategien für die bevorstehenden Kämpfe und Kriege zu entwickeln.
Die Go-Regeln zu erlernen ist einfach. Sie können in einer halben Stunde gelernt werden. Nachdem man ein paar Go-Partien gespielt hat (am besten auf dem kleinen 9x9-Brett), bekommt man ein erstes Gefühl dafür, worum es beim Go geht. Das Spiel wird immer spannender je besser man wird.
Text
Gunnar Dickfeld, Frankfurt
3. Dan Go
Die Philosophie
Verschiedene Legenden zur Entstehung des Go-Spiels veranschaulichen seine philosophischen Ideen und kulturellen Werte. Sie spiegeln die beiden grundlegenden Ideen des Go wieder: die Entwicklung des eigenen Charakters und die Veranschaulichung des Wettstreits zweier Elemente. Die beiden grundlegenden Kräfte, die in der Welt wirken, bezeichneten die Chinesen mit Yin und Yang. Yin (chinesisch: dunkel) repräsentiert Erde und Mond, Kälte, Feuchte, Nacht, Stillstand und Schwäche, aber auch das Bewahrende, Kooperative und Intuitive. Es verkörpert das passive weibliche Element. Yang (chinesisch: hell), das aktive männliche Element, vertritt Himmel und Sonne, Hitze, Trockenheit, Licht und Bewegung. Es steht für das Starke, das Fordernde, Aggressive und Rationale. Die Kräfte Yin und Yang werden als gleich bedeutsam, sich ergänzend angesehen und sollen sich im Ideal die Waage halten.
Diese beiden gegensätzlichen Kräfte und ihr Wirken prägen nahezu jeden Aspekt der chinesischen Philosophie. Auch auf dem Go-Brett agieren Yin und Yang in Form von schwarzen und weißen Steinen. Im Ideal sind beide Kräfte im Gleichgewicht und die Partie endet unentschieden. Ist das Gleichgewicht gestört, dann dominiert eine der beiden Kräfte und die Partie geht zu Gunsten einer Seite aus. Doch nicht nur im Ergebnis einer Partie zeigt sich dieses Konzept, auch in den strategischen Elementen des Spiels ist die Balance von Yin und Yang tief verwurzelt.
Das Go-Spiel brachte im Laufe der Jahrhunderte eine Vielzahl von Maximen und Lehrsprüchen hervor, deren Bedeutung sich häufig erst nach intensiver Beschäftigung mit ihnen erschließt. Durch das Beachten der Sprichworte und Gebote lernen die Go-Spieler ihre Steine möglichst klug und bedachtsam zu setzen. Sie lernen aber auch Entscheidungen klug und besonnen zu treffen. Die Beschäftigung mit dem Spiel bringt somit nicht nur eine bessere Spielstärke mit sich, sondern fördert ebenso die Weitsicht und die Fähigkeit, im Spiel wie im Leben Entscheidungen zu treffen und zuvor deren Konsequenzen abzuwägen. Go ist auf diese Weise eine spielerische Lebensschule. Das Spiel stärkt Umsicht, Weitsicht, Konzentrationsfähigkeit und Geduld.
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