![]() |
Von Deutschland nach Japan
Name: Stephan Yamamoto
Username: Yamamoto Land: Deutschland, jetzt Japan Karate seit: 1993 Graduierung: 2. Dan Stilrichtung: Shôtôkanryû |
Warum hast du dich entschieden nach Japan zu ziehen?
Japan fand ich – wie viele meiner Generation auch – schon als Kind interessant. Die Samurai und die Ninja standen im Zentrum dieses Interesses. Ich galt früh unter meinen Klassenkameraden als „Japan-Freak“, besonders als ich im Alter von 12 Jahren nach Bremen kam.
Ich habe nach meinem Zivildienst begonnen, Japanologie zu studieren, es aber nach einem Semester wieder aufgegeben, da mir das Studium zu „freakig“ war. Nach einigen Jahren habe ich im zweiten Anlauf Wirtschaftsjapanologie studiert und bin so mehrere Male nach Japan gekommen, u.a. auch für ein Jahr als Praktikant.
Ich glaube, ich habe schon während meines ersten Aufenthaltes dort beschlossen, nach Japan zu ziehen, sobald ich die Möglichkeit habe. Natürlich spielten meine Frau und mein Karate eine wichtige Rolle bei dieser Entscheidung.
War die Planung und Durchführung schwer oder kompliziert?
Überhaupt nicht. Ein Schuldfreund, der bei einem namhaften Bremer Logistikunternehmen arbeitet, hat mir bei der Verschiffung und den Vorbereitungen der Formalitäten geholfen. Insgesamt hat mich der Umzug nicht mehr gekostet als wäre er innerhalb Deutschlands erfolgt. In Japan selbst waren die Zollbeamten so freundlich, mir die Formalitäten bei der Abholung und Verzollung abzunehmen. Natürlich mußte ich alles sehr früh und sehr genau planen. Aber es hat auch Spaß gemacht.

Was machst du so den ganzen Tag in Japan :-) ?
Ich muß wie überall auch arbeiten. Ich unterrichte Englisch und Deutsch am Berlitz Language Center in Okayama und bin Assistant Language Teacher an einer Junior High School. D.h. ich helfe den japanischen Englischlehrern beim Unterricht. Es macht Spaß und läßt mir Zeit fürs Training. Ich versuche, wenigstens 3-4x die Woche zu trainieren, was mir auch meistens gelingt. Dann ist da das Privatleben mit meiner Frau und unseren Haustieren. Ich lese viel und kümmere ich mich um meine Weblogs und die Dôjô-Webseiten, die ich betreue.
Wie oder warum hast du mit Karate angefangen?
Der Hauptauslöser war mein Cousin, der ein Videofan war und so ziemlich alles an Hong-Kong-Action- und Bruce-Lee-Filmen besaß, was es damals gab. Ich ging noch zur Grundschule und wollte genauso unbesiegbar sein wie Bruce Lee. Meine Mutter bestand jedoch darauf, daß ich erst einmal Jûdô lernen sollte – der Fallschule wegen. Dafür bin ich ihr heute noch dankbar.
Kurz darauf zogen wir nach Bremen, und ich kam mit dem Jû-Jutsu in Berührung, welches ich dann auch acht Jahre lang gemacht habe.
Durch den glücklichen Umstand, daß es in Bremen eine japanische Internatsschule gab, hatte ich die Gelegenheit, Kyokushin-Karate zu trainieren. Das hat mir gezeigt, wie unvollständig mein Jû-Jutsu war. Nach einem halben Jahr Kyokushin-Karate fiel mir eines der Nakayama-Bücher in die Hände. Ich war beeindruckt von der Ausstrahlung, die Iida Norihiko auf einem der Bilder mit seiner Kata hatte – ich glaube es war Jitte. Das war das Karate, das ich machen wollte. Jenes Bild hat mich bewogen, zum Shôtôkanryû zu wechseln. Und da bin ich.

Was ist deiner Meinung das Besondere an Karate?
Die Kampfkünste sind ein Weg, Menschen auf der ganzen Welt zusammenzuführen. Im Sport ist das selbstverständlich. Aber ich denke, daß es sich auch um eine kulturelle Nähe handeln muß. Karate ist da insofern besonders, als daß es so umfassend, so vielschichtig ist, daß jeder zu seinem“ Karate finden kann. Karate kann Sport sein oder Selbstverteidigung, zuallererst ist es ein Kulturgut, daß man pflegen sollte um so ein ganzes Leben davon zu lernen und daran zu wachsen.
Gleichzeitig sind aber die körperlichen und mechanischen Prinzipien, auf denen jedes Karate aufbaut, die selben. Das ist das Wichtige. Egal ob Wettkämpfer oder Breitensportler, egal ob japanisches oder okinawanisches Karate: Alle müssen den selben Prinzipien folgen. Tun sie es nicht, ist ihr Training fruchtlos und ungesund. Das kann Menschen unter einem gemeinsamen Ziel vereinen: Karate essentiell richtig zu lernen und als Lebensweg an andere weiterzugeben. Wir werden auf lange Sicht feststellen, daß alle Menschen die Philosophie und die Gesetzmäßigkeiten des Karate verinnerlichen und so ein erfülltes Leben führen können.
Zum Schluß ist da noch die technische Vielfalt, die aus dem Ursprung des Karate resultiert: Dem langen Weg von China über Okinawa nach Japan, den Einflüssen aus verschiedenen asiatischen Philosophien und anderen Kampf- und Waffenkünsten. Karate ist einerseits japanisch, andererseits aber auch nicht. Es enthält Schlag- und Trittechniken ebenso wie Wurf- und Hebeltechniken. Auch in den modernen Stilen ist es möglich, diese ins Training einzubringen und das eigene Karate zu bereichern. Das ist das Interessante daran. Es gibt keine Grenzen.
Allerdings wird immer wieder versucht, Grenzen zu ziehen und Karate innerhalb von Begriffen und Dogmata zu fixieren. Das wirkt dem entgegen, was Karate eigentlich ausmacht.
Mich macht es jedesmal traurig, wenn aus Halbwissen oder Profilierungssucht heraus Behauptungen aufgestellt werden, Karate sei dies und Karate sei das. Das schadet dem Karate eher als daß es ihm nützt.
Was denkst du über die Karate-News?
Mir gefällt der kameradschaftliche Umgang und die Seriosität, vor deren Hintergrund aber auch der Humor nicht zu kurz kommt. Auch daß das Niveau der Mitglieder so hoch ist, sagt mir zu. Es können komplexe Themen behandelt werden, die in anderen Foren nur mit einem unwissenden Achselzucken abgetan werden. Ich denke, wir brauchen viel mehr Communities wie die Karate-News. Aber es gibt eben nur ein Original ;-)
Als Favorit markieren
Als Email versenden
Hits: 6290
Kommentare (0)

Kommentar schreiben

