![]() |
In ganz Ostasien sieht man von alters her den Unterbauch als Sitz der beschriebenen Ki-Energie an. Genauer wird dieser Ort (jap. Tanden) mit zwei Fingerbreiten unter dem Bauchnabel angegeben und entspricht dem physikalischen Körperschwerpunkt des Menschen. Es ist sozusagen seine Leibesmitte. Nach östlicher Anschauung ist es eine ständige Aufgabe des Menschen, einen Zustand anzustreben, in dem man seinen Körper bewußt im Gleichgewicht hält, auf seine Mitte zentriert ist und dadurch auch seine geistig-seelischen Kräfte an diesem Gleichgewicht teilhaben läßt. |
1. Haltung
Ein besonderes Kennzeichen des Menschen ist es, dass er nicht, wie die meisten Säugetiere, sich erdnah mit einer parallel zur Erde verlaufenden Wirbelsäule bewegt, sondern aufrecht steht, geht, läuft und sitzt. Kommt man körperlich aus dem Gleichgewicht, erfährt man sofort die Gravitationskraft und stolpert oder fällt sogar hin. Eine aufrechte Körperhaltung bewirkt auch eine "aufrechte Geisteshaltung und umgekehrt. Im Karate-Do wird die aufrechte Haltung besonders deutlich, indem tiefe Stellungen große Stabilität und Erdverwurzelung erfahren lassen, während der Oberkörper meist aufrecht gehalten wird und der Karateka dadurch ständig seine Mitte, sein äußeres und inneres Gleichgewicht wahrt. Hier liegt ein Grund dafür, das in der Karateschule und in den Kataübungen eine so unerbittliche Genauigkeit der Haltung gefordert wird....
2. Spannung
Unsere hektische Zeit ist weitgehend gekennzeichnet durch die zwei Extreme: Verspannung und Auflösung. Durch Überbelastung, Stress, Reizüberflutung und falsche Lebensweise reagieren viele Menschen mit einer ständigen ungeheuren Anspannung ihrer psychischen und auch physischen Kräfte. Oft manifestiert sich diese Anspannung auch körperlich in muskulärer Verspannung, in Blockierung von Energie. Ein guter Zugang zum richtigen Spannungsverhältnis liegt auf der körperlichen Ebene. So ist der Harazustand gekennzeichnet durch den harmonischen Wechsel von Spannung und Entspannung und nicht durch Verspannung auf Auflösung. Auf seine Leibesmitte hin zentriert, sollte der Karateka eine leichte Spannung in den Unterbauch legen, Schultern, Arme, Hals und Kopf hingegen locker und gelöst lassen....
3. Atmung
Die Atmung wandelt sich beim Aufbau des Harazustandes von einer oberflächigen und möglicherweise hektischen Brustatmung zu einer tiefen und ruhigen Bauchatmung, bei der auch die unteren Lungenbereiche ventiliert werden. Tief einatmen kann man nur, wenn man vorher Platz schafft, also die Restluft deutlich ausatmet. Generell gilt, dass die Ausatmung die Anspannung von Muskeln unterstützt, die Einatmung jedoch möglichst bei entspannter Muskulatur erfolgen sollte, um Verkrampfungen und rasches Ermüden zu vermeiden. Für das Karate gilt, das man nicht die ganze Luft bei der Ausatmung nach außen abgeben sollte. Für ein schnelles Fokusieren der Karatetechnik (Kime) würde dies zu lange dauern, die Spannung auflösen und zu einer momentanen Schwächung des Zustandes führen...
Auszüge aus: Karate-Do - Philosophie in der Bewegung
mit Efthimios Karamitsos und Axel Binhack































