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Der Name für die angesprochene Energie lautet in Japan "KI" in China "Chi", in Indien "Prana", in der altgermanischen Kultur "Od". Damit ist ein ebenso geheimnisvolles wie alltägliches Phänomen angesprochen. Unter "Ki" ist jedoch keine übernatürliche Energie, sondern geradezu "die" natürliche Energie zu verstehen. So sagt man z.B. in Japan zu einem ungeduldigen Menschen, er habe "kurzes Ki", während der geduldige, lockere, gelöste Mensch entsprechend über "langes Ki" verfüge. Je mehr jemand in der Lage ist, seine im Laufe des Lebens überall errichteten, aber eigentlich unnatürlichen intellektuellen, emotionalen und körperlichen Verspannungen zu lösen, umso stärker erschließt er sich seine natürliche Ki-Energie. |
Im Karate-Do und anderen Kampfkünsten kommt die Ki-Energie unter anderem im sogenannten Ki-Ai zur Anwendung. Der Ki-Ai ist ein einsilbiger kurzer und lauter Kampfschrei, der unter maximaler Energiekonzentration aus dem Unterbauch heraus ausgestoßen wird. Er wird durch Zwerchfellkontraktion hervorgebracht und verstärkt den Moment, in dem der Körper angespannt und Geschwindigkeit in Kraft umgewandelt wird.
Bei korrekter Ausführung vermag der Kiai die Konzentraion des Gegners und damit seine Abwehrkraft zu brechen. Durch den Lärmschock, der vom Ohr auf das Gehirn übertragen wird, ist der Gegner für einen Sekundenbruchteil unfähig, auf den Angriff zu reagieren.
Ein richtiger Kiai ist nicht leicht zu erlernen und er dauert recht lange, bis der Ton bei den verschiedenen Kiai-Techniken im Unterbauch und nicht im Hals produziert wird.
Der Kiai vereinigt Körper und Bewußtsein. "Ai" bedeutet unter anderem "zusammen, Ganzheit, Harmonie, Konzentration". Das heißt, die Lebensenergie Ki ist nicht aufgesplittert, sondern konzentriert und in ihrer Ganzheit verfügbar. Innere (Ki) und äußere (Muskelkraft) Energien verschmelzen wie in einem Blitzschlag udn setzen kurzfristig hohe Kräfte frei, die innere (Spannung) und äußere (Bruchtest) Barrieren durchbrechen können. Physiologisch ist dies durch eine erhöhte Adrenalinausschüttung im Körper erklärbar, die kurzfristig schnellere und stärkere Muskelkontrationen bewirkt.
Auszug aus: Karate-Do - Philosophie in der Bewegung
mit Axel Binhack und Efthimios Karamitsos


































