Zanshin
Nur das Element Leere ermöglicht dem Karateka jene totale Wachsamkeit, die man Zanshin nennt. Es ist eine konzentrierte und bewußte Form der Aufmerksamkeit, die auf den Gegner gerichtet ist, ohne jedoch an ihm zu haften. In einem Zustand, totaler Wachsamkeit ist der Karateka zu blitzartigen Kampfaktionen bereit. Man erfaßt den Gegner mit seinem Bewußtsein total, ohne dabei das eigene Zentrum zu verlieren. Das gelingt nur, wenn das eigene Bewußtsein "leer" ist von Angst, Wut, aggressiver Absicht oder Zweifel und statt dessen bereit ist zur totalem Wahrnehmung der Situation.
Die körperliche und geistige Wahrnehmung ist in einem Höchstmaß geschärft, ohne von irgendeiner vorüberlegten Absicht vereinnahmt zu werden, nach der man handeln will, obwohl die momentane Situation dieser Absicht vielleicht nicht entspricht. Gehandelt wird aus dem Hara.
Im dem Bereich der Kata gilt das gleiche: Für einen optimalen Katavortrag ist es wichtig, das man sich der genauen Bedeutung der einzelnen Techniken und ihres Zusammenhanges bewußt ist. Man muss seine "Gegner" tatsächlich "sehen" und die Kata wirklich "kämpfen", ohne sich noch auf korrekte Ausführung seine Techniken konzentrieren zu müssen. Fast ist es in der Kata schwieriger als im Kumite, das Zanshin des Kampfrs auch ohne realen Gegner aufrecht zu erhalten und auszustrahlen. Besonders in der zweiten Hälfte eines Katavortrages kommt es drarauf an, die beginnende Ermüdung zu ignorieren und die meist hohe Konzentration und bewußte Wachheit des Anfangs, ohne nachzulassen, bis zum Ende durchzuhalten.
Auszug aus: Karate-Do - Philosophie in der Bewegung
mit Axel Binhack und Efthimios Karamitsos